Projekt | Interaktive Medieninstallation (2011)
das perfekte Profil
08 05 2011 9926 | 07 06 2011 26396 | 01 09 2011 70579 |
end 136338 Profile


LED Installation von Nicole Pruckermayr und Elisabeth Schimana

Außenfassade Hotel "Altes Kloster" Hainburg
SO 17 04 2011 - DI 15 11 2011

Programmierung der LED Visualisierung: IOhannes m zmölnig
Druckgrafik und Illustration: Elisabeth Kopf
ein Projekt von Kunst im Öffentlichen Raum Niederösterreich


Haben Sie heute schon gegoogelt?
Schon bemerkt, dass all die kleinen Maschinen, die Ihre Ergebnisliste auf eine Suchanfrage generieren, Ihre Wahrnehmung dieser Welt und Ihre Entscheidungen massiv prägen, Sie gerade wieder Ihr Profil hinterlassen haben um kostenlos am perfekten NutzerInnenprofil mitzuarbeiten?

Im Internet sein, online zu sein bedeutet nicht nur Teil zu haben an der großen Illusionsmaschine, dabei zu sein eine Weltenmaschine anzuschauen, es heißt sie auch zu kreieren, auch Spuren zu ziehen, mitzuschreiben, Prozesse neu zu ordnen. Dass dies ständig und oft gar nicht so klar ersichtlich passiert, ist vielen, die das Netz betreten, nicht bewusst. Sobald wir drinnen sind haben wir Anteil an Rankings, nehmen Einfluss auf Berichterstattungen, werden als KonsumentInnen analysiert und gehen ein in zukünftige Strategien jeglicher Art. Wir geben unsere Profile ab und jeder Link, dem wir folgen, wird dokumentiert.

Unzählige Robots bzw. Algorithmen sind daran beteiligt, unter massiver Verwendung der Daten von NutzerInnen ganz – wie es scheint – objektive Antworten auf gestellte Suchanfragen in Form von Listen mit Links auf Webseiten zu geben. Neben dem geografischen Ort oder etwa diverser landesspezifischer Filtereinstellungen sind es die NutzerInnenprofile, die immer mehr zu einer geglätteten Wahrnehmung der Welt, einem von Robots aus all den Daten generierten Modell führen. Kein Fältchen, keine Mitesser, alles wird optimiert und der Rest scheidet aus, wird nicht gelistet.

Profile, die Konturen unseres Verhaltens sind ein mächtiges Artefakt geworden. Sie sind aber noch mehr, sie sind auch die oberflächlichen Spuren unseres Ichs.

In der Landesausstellung in der Kulturfabrik Hainburg werden die BesucherInnen aufgefordert, ihren Kopf in die Fenster des Insight Turm, einer Installation von IMA Institut für Medienarchäologie, zu stecken. Dabei werden ihre Profile fotografiert. So wird das Gesicht metaphorisch Teil des Internets und hinterlässt seine Spur. An der LED Wand an der Außenfassade des Hotels „Altes Kloster“, am Hin- und Rückweg zur Kulturfabrik gut sichtbar, erscheinen die erstellten Einzelprofile und werden eines nach dem anderen abgearbeitet.

Im Netz ist man nie alleine, genauso wenig kann die LED Wand nur ein einziges Profil zeigen. Profil verdrängt Profil. Die Aufmerksamkeit für ein Profil ist kurz, Star-sein im Netz dauert nicht ewig. Jedes Profil hat seinen Auftritt aber auch seinen Abgang. Profile werden aber nicht nur um ihrer selbst willen erzeugt, sie werden auch verarbeitet, sie dienen zur permanenten Korrektur der Robots, Glättung der Algorithmen. Sie erzeugen Wahrheiten, Statistiken, Rankings.

Jedes Einzelprofil wird statistisch ausgewertet, jedes Bild wird in seine Bildpunkte zerlegt und auf seine Farbwerte (RGB) hin analysiert, sortiert und als quantifizierte Mittelwerte weiter geschickt. Manchmal reißen aber auch Bildpunkte aus und fallen schon hier aus der Statistik. Die Herkunft der Daten ist im ersten Schritt noch nachzuvollziehen. Dann beginnt das Ranking: Algorithmen definieren, warum welche Werte unserer Suchanfragen Auswirkungen auf das Finden von Inhalten Relevanz haben, oder auch nicht. Diese Prozesse sind nicht klar nachvollziehbar, Rankingmethoden werden ständig nachjustiert und austariert.

Die aus den Gesichtsfotografien gewonnenen und quantifizierten Farbwerte beeinflussen sich gegenseitig, vergleichbar einem künstlichen neuronalen Netzwerk. Verschiedene Stationen müssen – zeitlich klar definiert – durchlaufen werden. Massen werden gesammelt, gleichzeitig beeinflussen aber auch die Farbwerte einander. Ist der jeweilige Massenwert einer Station erreicht, schleust die Rankingmaschine einen Bildpunkt in die neuen Standardprofile – oder aber er fällt aus der Statistik. Die Einzelprofile sind als einzelne Meinungsmacher nicht mehr relevant. Die Masse und ihr Verhalten geben die Kontur vor.
Jedes Einzelprofil generiert mit seinen Eigenschaften ein übergeordnetes Profil, ein neues Modell dieser Welt. Es arbeitet mit an einer Neuschreibung der Geschichte, außer es fällt auf Grund seiner Eigenschaften aus der Statistik, weil es doch zu anders ist als die anderen.

Am Beginn stehen drei leere, für die Gesichtskontur prägende Profile:
die Proportionsstudie von Leonardo DaVinci von 1501
ein Standardkopf aus der Kraniometrie (Schädelvermessung) von 1918
die Profilanalyse aus der kieferorthopädischen Diagnostik von 2001.

Über die Dauer der Installation füllen sich die Profile mit den Daten aus den Einzelprofilen. Sobald die Standardprofile voll mit Bildpunkten sind, beginnt die nächste Befüllung und gleichzeitige Überschreibung des vorherigen Gesichtes. Dieser Prozess wird über sieben Monate vollzogen, wobei sich die Überschreibung als zunehmende Ausradierung gestaltet. Die Farbwerte nähern sich technisch der Farbqualität des Hintergrundes an und ähnlich wie am Beginn die Gesichter durch das Befüllen plastischer werden, werden nun neue Gesichter durch neue Ein- und Ausbuchtungen erarbeitet.

Es entstehen neue Konturen, um am Ende drei zukünftige Supermodells auf der LED Wand erscheinen zu lassen.

credits


Elisabeth Kopf

gründete 1999 das „Buero Baustelle“. Projetbezogene Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Experten und Amateuren bestimmen die charakteristische Qualität der Arbeiten des Designbüros. Der Schwerpunkt liegt auf Corporate Identities für Kunden weltweit, mit besonderer Aufmerksamkeit auf den interkulturellen Kontext, sowie auf selbstinitiierten experimentellen Projekten. Lektorin an der Universität für Angewandte Kunst Wien und an der Fh-Joanneum Graz. Mitglied der Alliance Graphique Internationale. | homepage

IOhannes m zmölnig

ist Medien & Netz Künstler und arbeitet und lebt in Graz.
Er studierte Toningenieur an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz und an der TU Graz. Seit 2003 ist er künstlerisch wissenschaftlicher Mitarbeiter am IEM (Institut für Elektronische Musik und Akustik) an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz.

Seit 2000 arbeitet er als Entwickler von Pd (Pure Data) und ist Hauptentwickler von GEM (graphics environment for multimedia). Er ist Mitbegründer und Präsident von Pd-graz, einer non-profit Organisation zur Verbreitung von Pd, und Gründer von nap+forum::für::umläute. | homepage

Nicole Pruckermayr

lebt und arbeitet in Graz.
Sie studierte Biologie an der Karl-Franzens Universität Graz und Architektur an der Technischen Universität Graz. Ihre hauptsächlichen Arbeitsgebiete sind Video, interdisziplinäre, mediale Raum- Installationen und Performances.

Sie ist Gründungsmitglied der KünstlerInnengruppe „nap + forum::für::umläute“ und arbeitet seit 2004 als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Zeitgenössische Kunst an der TU Graz. | homepage

  • ../data/71.jpg

    co Elisabeth Kopf

  • ../data/72.jpg

    co Elisabeth Kopf

  • ../data/73.jpg

    co Elisabeth Kopf

  • ../data/74.jpg

    co Elisabeth Kopf

  • ../data/87.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/88.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/89.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/90.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/91.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/105.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/106.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/107.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/583.jpg

    co Regina Lercher

  • ../data/584.jpg

    co Regina Lercher

  • insihgt Turm

    ../data/635.jpg

    co IMA