Projekt | live Elektronik & Visuals (2001)
Elisabeth Schimana: Komposition, Sound Design, Stimme, Performerin
Andre Smirnov: Instrumenten Design und Nato Programmierung
Yuri Spitsin: Sound Design und Kyma Programmierung,
eine Produktion des Musikprotokolls in Kooperation mit dem Theremin Center Moskau

14 10 2001 Musikprotokoll, Graz
16 04 2002 Melkweg, Amsterdam, veranstaltet von STEIM

Der im Titel der angesprochene Sessel ist ein ganz bestimmter Sessel, also nicht ein Synonym für Sitzmöbel, sondern genau dieser eine, dessen charakteristisches Knarren auch der Ausgangspunkt für die musikalische Gestaltung von sitting in my chair war. Aufgenommen und als Datenfiles abgespeichert und abrufbar sind die verschiedenen Knarrgeräusche während der Aufführung nun das akustische Spielmaterial. Gespielt wird mit ihnen auf ebendiesem Sessel sitzend durch bloßes Bewegen der Hände: Es ist eben kein Zufall, dass Elisabeth Schimana dieses Stück in Moskau am elektronischen Institut des Tschaikowksi Konservatorium entwickelt, einem Institut mit dem stolzen Namen Theremin Institut. Als Elisabeth Schimana vor Jahren das alte Instrument Theremin für sich entdeckte, waren es weniger die Sounds, die sie inter­essierten, als eben diese bestimmte und sehr eigene Art der Körperlichkeit und Bühnenpräsenz, die das berührungslos zu spielende Instrument provoziert. Was machen denn eigentlich die Körper noch auf der Bühne im Zeitalter elektronischen Musizierens, diese Frage mit ihrem Spannungsfeld zwischen Kraftwerks seinerzeitigen Puppen und heute manchmal expressiv malträtierten Laptops rollt Elisabeth Schimana in ihren Stücken immer wie­der auf.

Das Theremin erschien da als die perfekte Herausforderung: Wofür auch immer die thereminsche Anten­nentechnik mit ihren unsichtbaren Magnetfeldern als Interface benutzt wird, als direkte Klangsteuerung oder als Trigger für ganz andere Mechanismen, sie verschafft der körperlichen Präsenz des Spielers elektronischer Musik eine Notwendigkeit. Die körperliche Bühnenbewegung als Kategorie wird aber zugleich wieder hinterfragt, wenn in sitting in my chair die Künstlerin beinahe bewegungslos in ihrem Sessel sitzt, und mit minimalen Finger-, Hand-und Kopfbewegungen nach und nach das zuvor dichte Gewirr von Sesselknarren zur Auslöschung bringt, während sich auch die strenge Lichtstimmung Feld für Feld verändert. (nina ross )

credits


Andrei Smirnov

ist Künstler, Kurator, Komponist, Forscher und Entwickler neuer Technologien in der Computermusik. Er unterrichtet elektroakustische Musik, Sound Design, Komposition und physical Computing am Zentrum für elektronische Musik am Konservatorium und an der Rodscheko Schule für Photographie und Multimedia in Moskau. Er ist der Gründer des “Theremin Center” in Moskau (1992 - 20012) und hält international Worskhops und Vorträge auf Festivals und Konferenzen. Seine Sammlung historischer Dokumente und originaler elektronischer Instrumente Russlands inspirierten ihn zur Erforschung und Neuinterpretation der Geschichte der Musiktechnologie und ihrer künstlerischen Anwendungen. | homepage

Yuri Spitsin

Er studierte 1977-1982 Management in Moskau und arbeitete von 1985-1994 an unterschiedlichen Institutionen als Programierer und Researcher für edukative Software, Automatisierung, Computergraphik und Musik. Seit 1992 Ist er im Vorstand des Theremin Center Moskau, an dem er als Programmierer und Komponist arbeitet.

  • Musikprotokoll 2001

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    co Elisabeth Kopf

  • Musikprotokoll 2001

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    co Elisabeth Kopf

  • Partitur

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sitting in my chair / part1 / musikprotokoll